Wilhelms Welt

Das Deutsche Röntgen-Museum in Remscheid-Lennep bietet für Besucher jeden Alters etwas. Vor allem dank des
interaktiven Gedankens. Denn hier ist Mitmachen nicht nur erlaubt, sondern geradezu die Voraussetzung für ein tolles Erlebnis.

Plötzlich ist da diese Treppe. Und es wird dunkel. Denn im Gewölbekeller, diesem einmalig schön illuminierten Herzen des Deutschen Röntgen-Museums in Lennep, geht es ans Eingemachte. Hier erlebt der Besucher, wie Wilhelm Conrad Röntgen einst im Jahr 1895 geforscht hat, wie er, durch Zufall, jene Strahlen entdeckte, die ihn weltberühmt machen sollten. Jene unsichtbaren, durchdringenden Strahlen, die heute seinen Namen tragen. Und wie er mit ihnen experimentiert hat. Wie er Gegenstände durchleuchtet hat. Und Körperteile von Menschen. Allein ein Rundgang durch diese Räume, eingetaucht mal in blaues, mal in rotes Licht, ist beeindruckend. Aber richtig Spaß macht es, wenn man selbst zum Entdecker wird. Wer Hintergründe zu einem bestimmten Thema erfahren möchte, kann sie auf einem echten Röntgenbild nachlesen – und muss dieses dafür ins Licht halten.

Selbst zum Entdecker werden: Darum geht es bei dieser Reise durch die Zeit, hinein in eine Ära, „in der die Welt durchsichtig wurde”, wie es Dr. Uwe Busch gerne formuliert. Es ist auch eine Reise in die Geschichte der Medizin, bei der gezeigt wird, wie mit der Entdeckung der Röntgenstrahlen die Radiologie begann und welche Arten der Behandlung mit ihr erst möglich wurden. Bis hin zur modernen Computertomografie.

Seit 25 Jahren arbeitet Dr. Uwe Busch im Röntgen-Museum, seit November 2015 als dessen Direktor. Und seit Beginn seiner Tätigkeit hat er es permanent weiter entwickelt. Hin zu jenem interaktiven Museum, welches es heute ist. Eines, in dem der Besucher schon im Foyer über den Mac erste Informationen zu Röntgens Leben und Schaffen erhält. Eines, in welchem er Schränke öffnen und durch Gucklöcher hindurchschauen muss, um immer mehr zu erfahren und zu entdecken. So, wie einst Röntgen immer mehr erfahren und entdecken wollte. Und das nicht nur beruflich, sondern auch als Privatmann. Denn diesen lernt der Besucher in Lennep ebenfalls kennen: Den Naturmenschen, den Wanderer und Bergsteiger, den sturen Eigenbrötler, der seine Umgebung auch mal gehörig nerven konnte. Wer mag, reist mit Audiotour durch die Zeit und bekommt via Kopfhörer eine Fülle an Hintergrundinformationen geliefert – diese werden für Erwachsene und auch speziell für Kinder aufbereitet.

„Für uns steht immer die Frage im Mittelpunkt: Kann es ein Museum für alle geben?”, unterstreicht Dr. Uwe Busch. Die Antwortet lautet: Ja. Und das nicht nur, weil das Deutsche Röntgen-Museum NRW-weit längst den Ruf als eines der wichtigsten naturwissenschaftlichen Museen genießt. Sondern zum Beispiel auch wegen seiner Barrierefreiheit. Und wegen der speziellen Führungen für Menschen mit Sehbehinderungen oder Gehörlosigkeit. Vor allem aber, weil es Menschen von acht bis achtzig Jahren begeistert. Und die kommen zum Teil auch von weit her, um sich auf die Spuren von Wilhelm R. zu begeben, der in Lennep geboren wurde. Seit 2004 befindet sich das Museum im permanenten Umbruch. In mehreren Bauabschnitten wurde es immer wieder weitergedacht, neu entwickelt und ergänzt. Bildung und Forschung bilden seit dem Jahr 2011 einen neuen Schwerpunkt, und damit wird das Museum vor allem für Schüler und Studierende interessant. „Rund 2500 Schüler haben in den letzten Jahren an Kursen des Schülerlabors RöLab teilgenommen”, resümmiert Busch. Mit diversen Schulen und der Uni Wuppertal gibt es Kooperationen, insbesondere für Schüler mit Interesse an Mathematik und Technik ist das Röntgen-Museum bereits jetzt eine wahre Fundgrube an Wissen.

Dieses wird so anschaulich und oft spielerisch vermittelt, dass der Spaß an der Entdeckung und am Forschen schnell entfacht wird: Wer möchte, kann ein Röntgen-Passfoto machen lassen oder seine Hand und die Schuhe virtuell durchleuchten lassen.

Beim Spielerischen bleibt es nicht, denn im Museum wird aktiv geforscht: Das Schülerröntgenlabor RöLab bietet die Gelegenheit, unter Anleitung eigene Experimente zur Röntgenphysik,
Radioaktivität, Materialprüfung und Medizinphysik durchzuführen. Im ersten Stock entsteht hierfür ein eigener über Spenden finanzierter großer Forschungsbereich, in welchem ebenfalls schon bald Experimente durchgeführt werden sollen – und das, natürlich immer unter fachlicher Anleitung, auch von Besuchern.

Das RöLab wird als Teil des Bergisch Science Labs der Bergischen Uni Wuppertal sein Bildungsangebot für Schulen noch ausbauen. Uwe Busch wünscht sich deshalb, „dass sich auch mehr Remscheider für dieses Museum engagieren.” Denn die Gesellschaft der Freunde und Förderer zählt zwar weltweit 350 Mitglieder, aus Remscheid aber nur 41. Das dürften gern mehr sein, findet Dr. Uwe Busch. Für ihn ist das Museum Teil einer Lebensleistung geworden. Auf rund 2200 Quadratmetern ist es Erlebnisraum und Forschungszentrum und zugleich ein gigantisches Archiv mit rund 165.000 Exponaten aus dem Leben und Schaffen Röntgens und der Anwendung seiner Strahlen.

Ein Ort, der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft kongenial verbindet. Der Radiologen aus der ganzen Welt zu Fachkongressen locken kann. Und mit ihm Touristen weit über das Bergische hinaus. Aber genauso auch den Schüler oder die Familie aus der Nähe. Wer das Deutsche Röntgen-Museum besucht, spürt die Begeisterung Röntgens und seinen wahren Antrieb: Dass es sich lohnt, immer neugierig zu sein.

 

Das Deutsche Röntgen-Museum Remscheid
Schwelmer Str. 41
42897 Remscheid
Tel. 02191/16-3384

Ein Artikel aus dem Quatschkopf, Ausgabe 6.
Fotos: René Großmann