Baby-Tragetuch liegt bei Vätern im Trend

Weltstillwoche im Klinikum Solingen

Zur Weltstillwoche informierten sich im Klinikum viele junge Eltern. Auch der
Flohmarkt kam an. Vom Foyer bis zur Entbindungsstation stapelten sich am
Samstagmorgen im Städtischen Klinikum bunte Strampler, Shirts und Höschen auf vielen
Tischen. Zum Stöbern war auch eine Mutter mit ihrer drei Monate alten Tochter gekommen.
Auf halbem Weg lief sie der Stillberaterin Claudia Braches in die Arme. „Ich habe seit einiger Zeit mit Milchstau zu
kämpfen“, berichtete die junge Mutter der Kinderkrankenschwester. Braches konnte zwar ad hoc ein paar Tipps geben, empfahl aber einen Besuch des Stillcafés für eine ausführliche Beratung. „Hier können die Frauen wöchentlich beim gemeinsamen Frühstück Fragen stellen oder sich untereinander austauschen.“ Das Klinikum Solingen, das vor fünf Jahren als babyfreundliches Krankenhaus ausgezeichnet wurde, arbeitet nach einem Konzept der Weltgesundheitsorganisation (WHO). „In diesem Jahr steht das Stillen als Fundament für eine nachhaltige Entwicklung im Mittelpunkt“, berichtete Claudia Braches. Muttermilch sei in jeder Hinsicht künstlicher
Babynahrung überlegen: Sie kostet nichts, ist gesund und außerdem praktisch. „Das Entscheidende aber ist
für Braches die Entwicklung einer guten Bindung, die zwischen Mutter und Kind entsteht. Allerdings kann es
manchmal ein holpriger Weg sein, bis sich das Stillen eingespielt hat, weiß die Beraterin. „Vielen Müttern fehlt das Vorbild in der Familie und aus dem Bekanntenkreis, sie fühlen sich unsicher.“ Meist treibe die Frauen der
Zweifel um, ob sie in der Lage seien, ausreichend Milch zu geben. Auch Rollenbilder übten Druck aus. Obwohl die
WHO empfiehlt, bis zum Alter von zwei Jahren zu stillen, ernten Frauen in Deutschland noch immer schiefe Blicke,
wenn sie ihrem Kleinkind noch die Brust geben. Damit die Väter bei der engen Mutter-Kind-Beziehung durch das Stillen nicht außen vor bleiben, haben viele Männer das Tragetuch für sich entdeckt. So auch Thorsten Gehring,
der seit Juli zertifizierter Trageberater ist und seine Frau Nicola an einem Infostand unterstützte. „Wir haben drei Kinder getragen. Der Große war ein Schreikind, und so konnten wir ihn am besten beruhigen.“ Aber auch der praktische Aspekt verbannte den Kinderwagen schnell aufs Abstellgleis. „Man kann im Gelände wandern und hat immer die Hände frei.“ Gehring ist Fußballtrainer und konnte seinen Kleinen so auch problemlos mit auf den Platz nehmen. Sportliche Ambitionen führten auch Katharina Wever und René Lammel mit Tochter Emilia an den Stand der Gehrings. „Wir suchen ein etwas stabileres Modell als Alternative zum Tuch, weil ich gerne mit Emilia zum Sport gehen möchte“, erzählte die bewegungshungrige Mutter. Das rucksackartige Tragesystem, das sie ausprobierte, hatte zahlreiche Bänder und Schnallen, die noch der Erklärung bedurften. „Wir kommen auch gerne
ins Haus und zeigen die verschiedenen Modelle in aller Ruhe,“ bot Thorsten Gehring an. Denn Zeit sollte man sich
nehmen, um seinen individuellen Weg zu finden, und nicht zu früh die Flinte ins Korn zu werfen, betonten sowohl Stillberaterin wie Trageberater.

STILLCAFÉ Die Stillbeauftragte Claudia Braches und ihre Kolleginnen bieten in der Elternschule des Klinikums an der Herberger Str. 12 in Solingen wöchentlich Stillberatung, Beikostberatung und weitere Tipps an. Es gibt
Frühstück gegen Unkostenbeitrag. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Montags 9 bis10.30 Uhr für Kinder ab Krabbelalter, montags 11 bis 12.30 Uhr für Kinder bis Krabbelalter.

Ein Artikel von Daniela Tobias aus dem Solinger Tageblatt vom 10. Oktober 2016. Foto: Daniela Tobias