Tierische Partner suchen ein Zuhause

Die Solinger Fellfreunde suchen für ihre Schützlinge, die sie aus
Ungarn holen, regelmäßig neue Besitzer. Quatschkopf! begleitete
sie zu Dreharbeiten für eine bekannte Tiersendung in Köln,
wo die Vierbeiner vor der Kamera standen.

Drei Kameramänner stehen im Halbkreis um das Set. Mehrere Tontechniker sowie Assistenten sind ebenfalls dahinter. Ein Flugzeug wird noch kurz abgewartet und dann kann es schon losgehen. „Absolute Ruhe jetzt …! Der Dreh beginnt!“ Die Moderatorin Simone Sombecki und Carola Horlemann, Vorstandsmitglied der Solinger Fellfreunde sitzen mit Boomer auf einer Decke. Er ist einer der drei zu vermittelnden Hunde, die ursprünglich aus Ungarn stammen. Und zugleich einer der vierbeinigen Hauptdarsteller der beliebten Fernsehsendung „Tiere suchen ein Zuhause“. Die wird an einem sonnigen Herbstnachmittag in Köln aufgezeichnet.

Nach einem kurzen Gespräch über den Hund, die Arbeit der Fellfreunde und die Zustände der Tiere in Ungarn geht es weiter in die nächste Kulisse, einem Sofa aus Strohballen. Jetzt ist Juci dran. Ein total veschmuster Schäferhund-Mix. Sie sitzt zwischenzeitlich sogar, trotz ihrer Größe, bei der Moderatorin auf dem Schoß. Ohne sich ablenken zu lassen, moderiert Simone Sombecki gekonnt weiter. Vor den Dreharbeiten werden Carola Horlemann in der Maske sowie von der Moderatorin auf die Gespräche und die Positionen vor der Kamera vorbereitet. Denn sie und die Hunde werden nicht nur vorgestellt, sondern auch in Aktion gefilmt. So muss der kleine Pincher-Mix Grimbi über die Wiese laufen und auf Befehl Sitz machen.

Neben der Tiervermittlung werden kurze Filmbeiträge gezeigt, die zum Beispiel über artgerechte Haustierhaltung, Tierschutz, Wildtiere oder Tipps von Experten berichten. Gedreht wird chronologisch. Nach jeder Aufnahme wird geprüft, ob der Ton und die Bildqualität ausreichend sind. Entweder ist er „gekauft“, wie man in der Fachsprache sagt, oder das Ganze muss noch einmal gedreht werden. Dies kommt heute auch vor. Der Lärm weiterer Flugzeuge hat die beiden Frauen übertönt. Wegen möglicher störender Geräusche sind auch Handys und Nebengespräche grundsätzlich nicht gerne gesehen.

Hinter der Drehkulisse sind mehrere Zelte aufgebaut. Alle sind ausgestattet mit Sitzgelegenheiten, Catering und Körbchen für die Hunde. Bei „Tiere suchen ein Zuhause“ sind die Fellfreunde heute nicht die einzigen Tierschützer. Von überall hört man Hundegebell oder sieht einen Kopf aus dem Zelt schauen. Brav lassen die Hunde die Dreharbeiten über sich ergehen. Natürlich alles mit entsprechender Leckerlie-Belohnung.

Die drei Hunde der Fellfreunde kommen ursprünglich aus Ungarn und sind seit zwei Wochen in Pflegestellen in Solingen. All das organisiert von den ehrenamtlichen Mitgliedern des Tierschutzvereines „Fellfreunde“ aus Solingen. Die Hunde kommen teilweise von der Straße, aber auch aus Tötungsstationen.

Durch eine Begegnung mit einer anderen Dame am Flughafen in Sardinien, die zwei Huskys zur Vermittlung bei sich führte, kam Carola Horlemann zum Tierschutz. Mit den Fellfreunden arbeitet sie jetzt über drei Jahre erfolgreich zusammen. „Ich tue alles für die Hunde, einfach, weil mir mein Herz aufgeht und ich Gänsehaut bekomme, wenn ich dran denke, in was für ein tolles Zuhause sie hier kommen können.“

Um die zehn Leute reisen regelmäßig nach Gyula in Ungarn um sich gemeinsam mit einem privat geführten Tierheim um die Hunde zu kümmern.

Sie betreiben Tierschutz mit Herz und Verstand. Vor Ort, in Ungarn, versuchen sie die Menschen über den hohen Stellenwert der Hunde aufzuklären. Sie setzen sich zudem dafür ein, dass durch rechtzeitige Kastrationen künftig weniger Streuner auf den Straßen unterwegs sind. Ein wichtiger Teil für die Fellfreunde sind jedoch die Pflegestellen aus Deutschland, ohne die die Arbeit gar nicht möglich ist. „Schwierig wird es, wenn sich die Pfleger in die Hunde verlieben. Dann ist der Hund zwar vermittelt, aber für den nächsten brauchen wir eine neue Pflegestelle“, sagt Carola Horlemann.

Die Mitglieder achten sehr genau darauf, an wen die Vierbeiner vermittelt werden. Interessenten müssen eine Selbstauskunft ausfüllen und bei Vermittlung einen Schutzvertrag unterschreiben. Außerdem besichtigen die Vereinsmitglieder das künftige Zuhause. „Wer den ganzen Tag außer Haus ist, bekommt keinen Hund“, erklärt Carola Horlemann. Verständlich, denn die Hunde sind schlimme Verhältnisse gewohnt und brauchen viel Fürsorge und Zuwendung.

Uuund Schnitt! Der Drehtag ist beendet. Nun bleibt zu hoffen, dass viele tierische Partner ein neues Zuhause finden.

Ein Artikel aus dem Quatschkopf, Ausgabe 6.
Fotos: Sandra Juhr