Immer zur Stelle

Katharina Kresse hat sich in einem Männerberuf bewährt:
Sie arbeitet als stellvertretende Leiterin der Remscheider Feuerwehr. Jetzt aber steht die Familie an erster Stelle,
denn die 32-Jährige erwartet ihr zweites Kind.

Katharina Kresse ist Feuerwehrfrau aus voller Überzeugung. Schon mit 15 Jahren kam bei ihr der Gedanke
auf, später einmal Feuerwehrfrau zu werden. Sie setzte die Idee in die Tat um. „Meine Eltern waren natürlich geschockt und haben mich erst mal in die Freiwillige Feuerwehr gesteckt, um mich vom Gegenteil zu überzeugen. Hat leider nicht ganz geklappt”, erzählt sie und lacht dabei. Um bei der Feuerwehr arbeiten zu können, wird eine Ausbildung vorausgesetzt, die in diesem Job hilfreich und wichtig sein kann. So hat Katharina Kresse nach dem Abitur eine Ausbildung zur Rettungsassistentin gemacht. Danach hat sie sich auf den mittleren Dienst beworben und zunächst sieben Jahre in Hilden gearbeitet. Nach der Absolvierung des Masters in Rettungsingenieurwesen
an der Technischen Hochschule Köln konnte sie in den höheren Dienst aufsteigen – und arbeitet seit 2016 als stellvertretende Leiterin der Feuerwehr Remscheid. Lange Tage für die junge Frau. Sie beginnen in der Feuerwache um 7.30 Uhr mit der Wachübergabe. Danach werden die Einsätze verteilt und Reinigungsarbeiten sowie  Wartungsarbeiten durchgeführt, zudem regelmäßig Übungen – damit im Einsatzfall alles passt. Wenn Katharina
Kresse nach Feierabend, etwa gegen 17.30 Uhr, noch Bereitschaft hat, muss sie im Notfall sofort zur Stelle sein. Die ganze Nacht, bis zum nächsten Tag um 7:30 Uhr, wenn die anderen Mitarbeiter zum Ablösen kommen.
Zum Ausgleich der Bereitschaft hat sie danach zwei Tage frei. Gar nicht so einfach, das alles mit dem Familienleben zu koordinieren. Arbeit und Familie bekommt sie aber gut unter einen Hut. „Da mein Mann auch bei
der Feuerwehr arbeitet, bedarf es natürlich einer guten Planung, was unseren Sohn angeht.” Das ist auch mal etwas aufwändiger, funktioniert aber gut: „Außerdem gibt es dadurch immer einen speziellen Mama und
Papa-Tag, und das ist für unseren Sohn schon was ganz Besonderes.” Ob im Job oder privat – Routine ist eine Seltenheit: „Kein Tag ist wie der andere und genau das gefällt mir so gut“, sagt Katharina Kresse
mit Bezug auf ihren Beruf. „Ich mache etwas Sinnvolles und gewährleiste die Sicherheit für andere Menschen. Eine bessere Aufgabe könnte ich mir nicht vorstellen.” Als stellvertretende Leiterin der Feuerwehr in Remscheid hat die 32-Jährige weniger Einsätze vor Ort, dafür mehr im Büro, lautet das Motto: Neben der Einsatzplanung und
organisatorischen Aufgaben ist Katharina Kresse für die Koordination der Leitstelle ebenso zuständig wie für das Personal, die Betreuung der freiwilligen Feuerwehr und den Katastrophenschutz. Was ist reizvoller – die Einsätze selbst oder der Bürojob? Das hat Katharina Kresse für sich noch nicht entschieden: „Beides hat seinen
Charme und ist gar nicht vergleichbar.” Abgesehen von einigen wenigen Verwaltungsmitarbeiterinnen
ist sie an der Feuerwache in Remscheid unter 150 Mitarbeitern die einzige Frau – bundesweit macht der
Anteil der Frauen bei der Feuerwehr nur rund ein Prozent aus. Katharina Kresse würde das gerne ändern: „Der Beruf der Feuerwehrfrau muss mehr nach außen getragen werden“, sagt sie. „Mehr junge Frauen sollten diesen Weg einschlagen, denn sie können eine ganz tolle Arbeit leisten.“ Sie selbst komme in dieser Männerdomäne
gut zurecht, erklärt sie. Zumal sie voller Selbstbewusstsein agiert und hervorragend qualifiziert ist. Das wird anerkannt. Im nächsten halben Jahr aber konzentriert sich Katharina Kresse erst einmal voll auf das Familienleben: Sie geht für sechs Monate in Mutterschaftsurlaub, da sie ihr zweites Kind erwartet. „Es fällt mir schon ein bisschen schwer, meine Aufgabe abzugeben. Aber der Grund ist ja ein schöner”, erklärt sie mit einem Lächeln. Sie freut sich auf ihre Zukunft als zweifache Mutter –
und ihren baldigen Wiedereinstieg als Feuerwehrfrau.

Ein Artikel aus dem Quatschkopf, Ausgabe 5.
Fotos: Michael Sieber