Beim Notfall mit Kindern Ruhe bewahren

Elternbeirat des Jugendamtes hat Veranstaltung zur Ersten Hilfe am Kind organisiert.
Ein kleiner Junge verschluckt sich im Kindergarten unglücklich an einem Stückchen Möhre – und verstirbt. Ein Horrorszenario für Eltern, Erzieher und auch Lehrer, das leider jüngst in einer Nachbarstadt von Solingen Realität geworden ist. Sich mit Erster Hilfe in Notsituationen auszukennen und diese Kompetenz durch regelmäßige Trainings nachschulen zu lassen, sollte nach Meinung von Mo Ghazaleh vom Institut „ihelp2“ für Mitarbeiterin Kindertagesstätten und Schulen eine hohe Priorität haben. Aber auch für Eltern sei es sehr wichtig, sich in brenzligen Situationen so sicher im Thema zu fühlen, dass sie trotz Schockmoment eingreifen können. Dem kleinen Jungen hätten schnelle und zielgerichtete Ersthelfer-Maßnahmen möglicherweise vor dem Erstickungstod bewahren können. „Ein Kleinkind über das eigene Knie gestützt nach vorne lehnen und fünfmal mit dem Handballen kräftig zwischen die Schulterblätter klopfen“, sagte der Experte am Mittwochabend bei der Veranstaltung in der Kantine der Stadtwerke als Tipp für derartige Situationen. Der Jugendamtselternbeirat (JAEBS) hatte in diesen Saal eingeladen, weil die Anmeldungen aus der Solinger Kindergarten-Elternschaft so zahlreich waren, dass der ursprüngliche Ort, der Kindergarten Altenberger Straße, nicht für alle Platz geboten hätte. „Bitte richtig fest klopfen, sonst rutscht der verschluckte Gegenstand noch tiefer hinunter“, sagte Ghazaleh. Vom „Heimlich-Griff“ (benannt nach Dr. Henry Heimlich) – mit der Faust der schwachen Hand und der flachen starken von hinten umfassend auf den Bauchnabel drücken und so die Luft samt verschlucktem Teil nach oben transportieren – riet er bei Kindern dringend ab. „Zur Not beatmen: Je nach Alter des Kindes – 15 Mal bei unter einem Jahr, 30 Mal bei älteren Kindern – kräftig mit dem Handballen auf den Brustkorb drücken und dann zwei Atemstöße in die Nase, den Mund oder bei Säuglingen in Mund und Nase spenden. Dann wieder drücken“, erklärte er. Hinweise, dass kleine Kinder nicht unbeaufsichtigt Gummibärchen oder Bonbons essen sollten, nicht alleine versuchen sollten, Luftballons aufzupusten und nicht mit Plastiktüten spielen dürfen, gab es außerdem. Ghazaleh setzte als Vortragender auf Interaktion. Immer wieder wurde probiert: an mitgebrachten Puppen oder an ihm selbst. Und immer wieder stellte er Fragen ans Auditorium und entwickelte mit den jeweiligen Antworten das „Unterrichtsgespräch“ weiter. Im Anschluss an seinen Vortrag zum Themenschwerpunkt „Ersticken“ stellten Eltern, Großeltern und Erzieher die Fragen, die ihnen als Wichtigstes unter den Nägeln brannten, zum Beispiel: „Wie handele ich bei einem Insektenstich?“ Antwort: Ruhe bewahren, kühlen, eine Kompresse anlegen und gegebenenfalls die Stelle hochlagern. Bei einem Bienenstich sollte immer der Stachel ganz vorsichtig entfernt werden, ohne dass er sein noch restliches Gift in die Haut einspritzen kann. Oder: „Was macht man bei einem Pseudo-Krupp-Anfall?“ Antwort: „Für feuchte kühle Luftsorgen. Ans Fenstertreten oder im Sommer vor den geöffneten Kühlschrank. Damit der Anfall erst gar nicht auftritt, die Luft zuvor befeuchten, zum Beispiel feuchte Handtücher auf die Heizkörper hängen.

Ein Artikel von Jutta Schreiber-Lenz aus dem Solinger Tageblatt vom 21. Januar 2017. Foto: Daniela Tobias