Bei Tablet und Handy sind Regeln wichtig

Eltern sollten Nutzungszeiten festlegen.
Eine Medienpädagogin gibt Tipps.

Bei vielen Kindern stehen sie auf dem Wunschzettel für Weihnachten ganz oben: Tablet-Computer oder gar ein eigenes Smartphone. Für Eltern sind diese Geschenke – ganz abgesehen vom Preis – mit einer Reihe von Fragen verbunden: Ab welchem Alter machen diese Geräte Sinn? Welche Nutzungsdauer sollte festgelegt werden? Und worauf sollten Eltern bei der Auswahl von Apps achten? Der Elternratgeber „Schau hin“, der unter anderem vom Bundesfamilienministerium unterstützt wird, rät, nicht vor dem neunten Geburtstag ein Handy anzuschaffen. Ein Smartphone empfehle sich erst dann, wenn das Kind die Gefahren des Internets kennt und weiß, wie es sich schützt. Das sei ungefähr im Alter von zwölf Jahren der Fall. Janine Schledjewski ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Bildungsforschung der Bergischen Universität Wuppertal. Die gebürtige Hamburgerin promoviert zu Lernmedien bei Grundschü- lern. Doch Tablets werden heute bereits von Jüngeren genutzt. Schon Kindergartenkinder wischen gekonnt übers Display, klicken Fotos an oder setzen Puzzle zusammen. „Im Vorschulalter sollten sie aber höchstens ab und zu damit spielen“, rät Schledjewski. Im Grundschulalter steigere sich der regelmäßige Gebrauch. Recherchekompetenzen im Internet zu erwerben, seien Teil des Lehrplans. „Kindersollten im Internet anfangs aber von Lehrern oder Eltern begleitet werden“, betont sie. Es gibt eigene Suchmaschinen für Minderjährige.Bei Diensten wie Google sollten Erwachsene darauf hinweisen, dass viele Einträge werbefinanziert sind. Zudem können hier Inhalte abgerufen werden, die nicht kindgerecht sind. Wie sieht es mit der Nutzungsdauer aus? Zeiten abzusprechen, sei sinnvoll, sagt die Medienpädagogin. Freizeitbeschäftigungen zu festgelegten Terminen wie der Sportverein oder die Musikschule seien weniger belastend für Kinder, weil sie klare Strukturen vorgeben. Das sollten Eltern auch auf die Nutzung von Smartphone und Tablet übertragen. Gerade bei Spielen seien Pausen und vereinbarte Zeiten wichtig. Die Initiative „Schau hin“ gibt folgende Empfehlungen: Sieben- bis Achtjährige, die das Smartphone von Eltern oder älteren Kindern nutzen, sollten das nicht länger als 30 Minuten am Stück tun, Neun- bis Zehnjährige maximal 45 Minuten. Ganz wichtig sei auch der Zeitpunkt, sagt Janine Schledjewski. „Abendlicher Medienkonsum kann zu Schlafstörungen führen.“ Egal ob Fernsehen oder elektronische Spiele: Diese Freizeitbeschäftigungen sollten nicht unmittelbar vor dem Zubettgehen stattfinden. „Nachts sollte das Smartphone ausgeschaltet werden.“ Die Installation von Apps sollte Sache der Eltern sein. Gute Tipps gebe die Datenbank des Deutschen Jugendinstituts (DJI). Die Suche lässt sich über Altersgruppe, Schlagwörter und das Betriebssystem eingrenzen. „Das ist sehr empfehlenswert.“ Ein Thema ist in vielen Familien auch der Nachrichtendienst WhatsApp. Die Nutzung ist ab 13 Jahren möglich, bei Jüngeren muss das Einverständnis der Eltern vorliegen. De facto nutzen jedoch viele Kinder ab Jahrgangsstufe fünf die App. Wenn Eltern WhatsApp zulassen, sei es wichtig, mit dem Kind im Gespräch zu bleiben, sagt Janine Schledjewski. „Man sollte darauf achten, ob die Chats als angenehm empfunden werden oder nicht.“

Ein Artikel aus dem Solinger Tageblatt vom 17.12.2016 von Anja Kriskowski. Foto: Christian Beier