Baby-Schlafsack rettet Leben

Im Klinikum helfen Schlafsäcke gegen den plötzlichen Kindstod. Mit großem Erfolg.
Die Kindersterblichkeit ist in den vergangenen 30 Jahren „ganz signifikant“ zurückgegangen“, weiß Dr. Volker Soditt, Chefarzt der Kinderklinik im städtischen Krankenhaus. Den wichtigsten Grund sieht Sodittin der Aufklärung der Eltern: Sie sollten nicht rauchen, das Baby beim Schlaf nicht der Gefahr einer Überhitzung aussetzen. Zudem trägt Stillen zur Gesunderhaltung des Kindes bei. Aber auch ein Babyschlafsack spielt eine wichtige Rolle. Als vor 14 Jahren das Solinger Klinikum als erstes Krankenhaus in Deutschland kleine Spezialschlafsäcke für Babys an die Mütter verschenkte, machte das bundesweit Aufsehen. „Wir waren in den nationalen Nachrichten“, erinnert sich der Chefarzt zurück. Heute würden diese kleinen Schlafsäcke auf jeder Neugeborenenstation in Deutschland ausgegeben. Der kleine Rucksack sorgt unter anderem für die richtige Schlafposition des Kindes und wurde im vergangenen Jahr an die Mütter aller 1390 Babys ausgegeben, die im städtischen Klinikum ihr Kind zur Welt brachten. Damit das möglich ist, sei das Klinikum auf Geldspender angewiesen, erklärte Kai Sturmfels, Vorstand des Fördervereins des Klinikums. Aktuell hat die Stadt-Sparkasse mit einer Spende in Höhe von 5000 Euro dazu beigetragen, die Schlafsäcke zu finanzieren. Dr. Volker Soditt, Chefarzt der Klinik für Kinder und Jugendliche betont: Ist der Schlaf gesund, werden das Wachstum und die motorische und intellektuelle Entwicklung unterstützt. Die Grundlage dafür ist eine sichere Schlafposition. Von Anfang an wird die Rückenlage empfohlen. Die Sorge, dass das Kind sich verschluckt, ist unbegründet. „Kleine Kinder schlafen viel, je nach Alter bis zu 20 Stunden pro Tag“, erläutert Volker Soditt. Die entsprechenden Schutzreflexe setzen bereits bei Kleinstkindern ein. Jedes Kind sollte im eigenen Bett schlafen. Im ersten Lebensjahr ist es im Elternschlafzimmer am besten aufgehoben. Das Kind sollte jedoch nicht im Bett der Eltern schlafen. Decken und Kissen, oder zu weiche Matratzen haben im Kinderbett nichts zu suchen. Sie können den Kopf überdecken und sind dann gefährlich. Auf weichen Unterlagen sinkt der Kopf zu tief ein. Das kann zur Überwärmung und Rückatmung von verbrauchter Atemluft führen. „Bei Verwendung eines Schlafsacks kommt dies nicht vor. Im gut sitzenden Schlafsack findet das Kind den richtigen Platz zu atmen“, so Dr. Soditt. Der Förderverein des Klinikums und die Sparkasse Solingen unterstützen die Aufklärungsarbeit der Bereiche Geburtshilfe und Kindermedizin von Anfang an. Mehr als 80 000 Euro Spende kamen in den Jahren zusammen. Bei den im Schnitt 850 Geburten der vergangenen Jahre konnten bisher mehr als 12 000 Kinder im Klinikum Solingen mit einem Schlafsack begrüßt werden. „Dies ist eine wichtige Präventionsmaßnahme, durch die vor allem unerfahrene Eltern sensibilisiert werden“, argumentiert Stefan Grunwald, Vorstandsvorsitzender der Stadt-Sparkasse Solingen. Nach Angaben der Stiftung Kindergesundheit stirbt in Deutschland jedes 300. Baby, ohne seinen ersten Geburtstag erlebt zu haben. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Das Alter und die körperliche Verfassung der Mutter in der Schwangerschaft und bei der Geburt, aber auch die soziale Lage spielen eine Rolle. Ein Baby-Schlafsack kostet knapp 18 Euro. Die Aufklärungsarbeit im Klinikum trägt Früchte. Im Vergleich zu anderen Städten verzeichnet Solingen seit Jahren eine konstant niedrige Zahl von Säuglingstoden. Das liege auch am guten Zusammenspiel von Klinik- Ärzten und niedergelassenen Medizinern.

Ein Artikel von Stefan Prinz aus dem Solinger Tageblatt vom 7.1.2017. Foto: Uli Preuss