Auf dem Eis geht die Post ab!

Die Bergisch Raptors laden schon Dreijährige dazu ein, Eishockeyluft zu schnuppern. Die Bambinis sind bereits richtig fit – und sonntagsmorgens beim Training in Solingen hellwach.
Ein Sonntagmorgen im Herbst, kurz vor neun. Jette hat ihr komplettes Torhüterinnen-Outfit schon an. Gar nicht so leicht, so dick bepackt durch die Solinger Eishalle zu laufen, vor allem auf Kufen. Max hält den Schläger schon in der Hand, als er sich auf den Weg zum Eis macht. So wie die vielen anderen jungen Eishockeyspielerinnen und -spieler der Bergisch Raptors. Und die ganz kleinen Kinder, keine vier Jahre alt, die in der Laufschule erst einmal ein Gefühl dafür bekommen sollen, wie man sich so auf dem Eis bewegt, sind auch schon am Start. Ebenso wie die vielen Eltern. Denn die Gemeinschaft wird im Eishockeyverein Bergisch Land e.V. gelebt. Anders ginge es auch gar nicht. Da wird der Vater eines Spielers schnell mal zum Hallensprecher, Betreuer, Helfer.
So wie Stefan Helmke, dessen Tochter Jette mit ihren sieben Jahren mutig das Tor bei den Bambinis hütet, der U8-Mannschaft des Clubs. Teamgeist ist alles – auf und neben dem Eis. Während die jungen Cracks (Jungs und Mädchen trainieren in dem Alter noch gemeinsam) ihre Runden drehen, erste Pässe üben, Slalom um Hütchen laufen und auch schon mal aufs Tor schießen, gibt es für die Eltern erst einmal ein zweites Frühstück. Das organisieren die Eltern jeden Sonntag abwechselnd. Kaffee, Brötchen mit Nutella, ein Teilchen – so kann der Sonntag auch in der Eishalle gemütlich starten.

Vielleicht ist es auch dieser Zusammenhalt, der dafür sorgt, dass die Raptors gerade einen wirklich guten Zulauf haben. Und das nicht nur aus Solingen. Unter anderem aus Haan, Wuppertal und Mettmann kommen die jungen Spieler mit ihren Eltern in die Eissporthalle Solingen. Beeindruckend, wie sicher die meisten Spieler schon auf dem Eis unterwegs sind. „Ich merke das gar nicht mehr bewusst, wenn ich auf dem Eis bin“, erklärt der zehnjährige Max. Ihn reizt besonders das unglaublich hohe Tempo beim Eishockey. „Man hat ja immer nur wenige Sekunden, um zu wissen, was man tut.“ Ein Jahr hat Max gebraucht, bis er sicher auf dem Eis war, und das ist bei den meisten anderen Kindern, die bei den Raptors zum ersten Mal aufs Eis gehen, auch so. Für sie eignet sich die Laufschule auch deshalb so hervorragend, weil sie hier ungestört vom eigentlichen Trainingsbetrieb, aber trotzdem zur selben Zeit, üben können. Angeleitet von ausgebildeten Trainern.

Für Anfänger eignet sich eine Zehnerkarte, die eigentlich eine Zwanzigerkarte ist, denn mit ihr kann man an jeweils zehn Sonntagen und dem Mittwoch danach in die Halle kommen und das Eislaufen üben. Die ersten drei Male sind indes immer kostenlos. „Wir möchten, dass jeder erst einmal herausfinden kann, ob das hier was für ihn ist“, stellt Marketingleiter und Betreuer Robert Kottner klar.

Denn Eishockey ist ganz schön komplex. Das Laufen, Bremsen, Spurten ist das eine. Taktik, Athletik und der Umgang mit dem Puck sind das andere. Obgleich die Herbst- und Wintermonate mit Spielen und Training auf dem Eis die Hauptzeit ist, trainieren die Mannschaften auch im Sommer, dann meist draußen und mit Schwerpunkt auf Beweglichkeit und Athletik. Zudem werden nach Bedarf Eishallen gemietet, die auch im Sommer geöffnet haben, darunter eine in Dinslaken.

Wer sich für den Eishockeysport begeistert, sollte Zeit mitbringen. Nicht nur fürs Training, sondern auch für die Spiele selbst. Die jüngeren Teams spielen nicht wie die Senioren, die dieses Jahr Landesliga-Meister wurden, in Ligen, sondern haben mehrere Spielwochenenden im Jahr. Und dafür kann es dann auch mal bis ins niederländische Geleen und Frankfurt gehen, sprich: Das Wochenende geht für den Sport drauf. Während Anfänger in erster Linie Schlittschuhe, Helm und Handschuhe brauchen, muss für die gesamte Trainings- und Spielausrüstung schon tiefer in die Tasche gegriffen werden „Deshalb wird das Equipment meistens unter den Jahrgängen weitergereicht“, erklärt Stefan Helmke, der wie Robert Kottner hofft, dass sich noch viele weitere Kinder und Jugendliche aus dem Bergischen Städtedreieck von der Faszination Eishockey anstecken lassen. Wenn das der Fall ist, sind sie bei den
Raptors genau richtig.

Ein Artikel aus dem Quatschkopf, Ausgabe 6.
Alle Bilder:  Raptors/Juhr