Alligators drehen auf

Baseball ist Kult in Solingen – die Alligators spielen seit Jahren in der Bundesliga oben mit und fördern mit Leidenschaft junge Talente.

Schon lustig, wie manche Leute zu bestimmten Sportarten kommen. Peter Niemeyer zum Beispiel. Er kauft sich im Jahr 2008 eine Nintendo Wii und spielt mit seinem damals achtjährigen Sohn Baseball – virtuell natürlich, vor dem Fernseher daheim. Kurz darauf liest er im Solinger Tageblatt von den echten Baseball-Cracks, den Alligators. Und heute? Ist er schon seit einigen Jahren Geschäftsführer der Solingen Alligators, seine Frau Svenja Jugendwartin, und die Jungs spielen im Verein aktiv mit. Die Familie Niemeyer hat nicht nur den Verein selbst über die Jahre geprägt, sondern Baseball in Solingen auch richtig attraktiv gemacht. Für Kinder, Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen. Für all jene, denen Fußball und Tennis zu langweilig und Handball zu gewöhnlich ist. Das Schöne ist: Man braucht so gut wie keine Vorkenntnisse, wenn man einfach mal reinschnuppern möchte, was Jungs und Mädchen ab fünf Jahren bei den Alligators auch bereits dürfen. Ein Schläger wird gestellt, einen eigenen Handschuh sollte jeder Spieler allerdings haben. „Es gibt immer besondere Talente, aber wir sagen: Bei uns findet jeder seinen Platz. Egal, wie schnell ich laufen, werfen oder schlagen kann. Das alles erlernt man nach und nach“, erklärt Svenja Niemeyer.

In Amerika ist Baseball neben Basketball und American Football Nationalsport. Die Mischung aus Kraft, Technik und Tempo begeistert aber auch immer mehr Menschen in Deutschland. Nicht nur die Spieler selbst, sondern auch die Zuschauer: Die Bundesligatruppe der Alligators war schon zweimal Deutscher Meister. Sie ist international besetzt, zum Beispiel mit Spielern aus Südamerika, und zieht bei den Heimspielen im Schnitt immer bis zu 400 Zuschauer, manchmal auch 1.000. Das liegt nicht nur an den Spielen selbst, die mehrere Stunden dauern können, sondern immer auch am Drumherum, auf das die Vereinsführung viel Wert legt: „Natürlich gehören dann auch Hamburger und Pommes beim Catering dazu“, sagt Svenja Niemeyer lächelnd.

Ob für Spieler oder Zuschauer: Die Regeln sind schnell erlernt und die Partien sind leichter zu erfassen als etwa beim American Football. „Es ist ein bisschen mit dem Brennball in der Schule zu vergleichen, mit einer Defense und einer Offense“, erläutert Peter Niemeyer. Der Pitcher (Werfer von Team 1) wirft den Ball, der Batter (der Schlagende von Team 2) muss versuchen, ihn zu treffen und so weit wie möglich zu schlagen. Gelingt ihm dies, rennt er los, möglichst von einer Ecke (Base) zur nächsten. Sein Ziel: Eine Base zu erreichen, ehe der Gegner den Ball gefangen und zu ebendieser gebracht hat. Und wenn der Schlagmann den Ball gar nicht trifft? Dann landet er direkt beim Catcher (Fänger von Team 1). Klingt kompliziert? Ist es nicht.

Gerade deshalb, und weil Svenja Niemeyer bei den Alligators eine hervorragende Jugendarbeit macht, begeistern sich auch zahlreiche Grundschüler für Baseball. Es gibt sogar eine Solinger Grundschulliga für die Klassen 3 und 4, die an den Schulen als AG angeboten wird. Das nächste Finale wird übrigens am 1. Juli ausgetragen.

Verstärkung können die Alligators immer brauchen. Gerade auch, und da geht es ihnen nicht viel anders als Vereinen in anderen Sportarten auch, was die Teenager angeht, die ja oft ganz viel im Kopf haben, aber nicht unbedingt Mannschaftssport. Jugendliche Baseballer zwischen 13 und 15 Jahren sind zurzeit gefragt. Zumal die Alligators auch in Zukunft eine starke Bundesligamannschaft stellen wollen, die sich möglichst in erster Linie aus dem eigenen Nachwuchs heraus entwickeln soll. „Von 30 Juniorspielern bleiben am Ende etwa zehn Erstligaspieler übrig“, weiß Peter Niemeyer. Ganz gleich, in welchem Alter: Die Alligators profitieren nicht nur von ihrem ganzheitlichen, packenden Sport. Sondern sie lernen auch regelmäßig, ihr Englisch anzuwenden. Denn insbesondere in der ersten Mannschaft wird viel Englisch gesprochen.

Fotos: Alligators